Microsoft Surface Pro 3

Warum Surface Pro 3 ein Erfolg werden könnte

Lange Zeit war ich auf der Suche nach Ersatz für einen älteren Notebook-PC.  An eine Art „Hybrid“-System hatte ich gedacht, ein Tablet-Notebook mit abnehmbarer Tastatur – und einem regulären Windows „Pro“ Betriebssystem. Ein System, das mit geringer Temperatur und akzeptablem Lüfter-Geräusch arbeitet, einen hochauflösenden, gut lesbaren Bildschirm hat – und das erweiterbar sein sollte (entsprechende Anschlüsse sollten vorhanden sein, vorzugsweise USB-3).

Das Problem: Ich habe kein passendes System gefunden. Kaum zu glauben. Das kann doch nicht wahr sein – hat die Industrie die Hausaufgaben nicht gemacht? Ein typisches Problem waren Hitze, Lüfter-Lärm – und, ganz überraschend, die extrem hochauflösenden Bildschirme (dazu später mehr).

Dann hat Microsoft das Surface Pro 3 angekündigt. Aha, wieder ein Versuch – ob man aus den Limitierungen der Vorgängerversionen (Surface, Surface 2) gelernt hat? Diese waren bekanntlich nicht der große Hit. Nach den technischen Daten zu urteilen, sieht das gut aus – das Pro 3 hat alles was ich mir gewünscht hatte: Guter Bildschirm, passendes Format, perfekte Größe und geringes Gewicht für ein portables System, abnehmbare (sogar beleuchtete) Tastatur, USB-3, genug Arbeitsspeicher (RAM) für tägliche Arbeit (8 MB), und eine 512 GB SSD ist ausreichend (ich kann ja jederzeit ein externes Flash-Drive anschließen – USB-3 ist schnell genug). Sogar einen druckempfindlichen Stift gibt’s dazu – Zeichnen wie auf einem Grafik-Tablet? Interessant.

Kein Mobilfunk integriert? Was soll’s, ein LTE USB-Stick kann das Problem lösen.  Das Konzept ohne eingebaute Mobilfunk-Chips spart zudem Energie, die Laufzeit des Systems ist länger. Der USB-Port bietet mir unbegrenzten Ausbau – im Gegensatz dazu sind meine Apple iPad’s schon mehr eingeschränkt: Diese bieten nur WLAN, und das ist bei der aktuellen Anzahl WLAN-Funkzellen in meiner Umgebung zunehmend ein Problem.

Nicht zu vergessen: Surface Pro 3 hat ein „echtes“ MS Windows 8.1, nicht dieses abgespeckte „RT“ Betriebssystem für ARM Prozessoren. Mit dem „Pro“ kann ich mich in meiner MS Windows Domäne anmelden, mit allen Vorzügen einer zentralen Benutzerkonten-Verwaltung, Rechte-Management und Regeln (Policies). Dies ist zweifellos mehr ein Argument für Firmen und nicht für Privatanwender – aber das Surface Pro 3 zielt ja u.a. auf den Firmeneinsatz ab.

Ein kleiner Unterschied

Ist das alles? Nein. Es gibt einen Punkt mehr, und dieser könnte zum Erfolgsfaktor werden – das Problem wird meist unterschätzt: Es geht um die Bildschirmauflösung (dpi) und die Skalierung der Anzeige durch Anwendungen.

Die meisten (wenn nicht alle) derzeitigen hochauflösenden Bildschirme produzieren in der Regel ein gravierendes Problem (QHD, z.B. Auflösung 3200 x 1800): Weder das MS Windows Betriebssystem noch viele Anwendungen passen die Ausgabe diesen hohen Auflösungen adäquat an. Adobe Anwendungen produzieren unlesbare Ergebnisse (extrem kleine Symbole – Icons – und Dialoge), und nicht einmal eine Einstellung für die dpi-Skalierung löst das Problem zufrieden stellend. In Internet-Foren toben die Diskussionen über diese Unzulänglichkeiten.

Ein vergleichbares Problem wird mit Apple MacBooks (Auflösung 2560 x 1600 oder 2880 x 1800) berichtet: Apple verwendet eine hohe Auflösung und skaliert mit einem festen Faktor. Das funktioniert gut für das Mac OS X Betriebssystem und Anwendungen. Nur, mit MS Windows (via BootCamp) ergeben sich in MS Windows (einschließlich Version 8.1) immer noch problematische Resultate: Die Skalierung stimmt in keiner Weise. Apple’s Lösung erlaubt z. B. Adobe die Implementierung ausreichender Kompatibilität für das Mac OS X Betriebssystem, während die MS Windows Versionen der Adobe Anwendungen auf diesen höchstauflösenden Bildschirmen immer noch scheitern.

MS SQL Server Development Studio soll auf den QHD Bildschirmen ebenfalls keine Freude sein: Es ist zu legen, dass die Bedienung nahezu unmöglich sei, da einige Dialoge extrem klein sind (nur mit der Lupe zu lesen), während andere Dialoge zu Monstern mutieren und den Bildschirm füllen. Wie ich lesen musste, hat das MS SQL Team „keine Absichten das zu lösen“. Wie bitte? Als Anwender interessiert es mich doch nicht, ob die Hardware, das Betriebssystem oder das Anwendungsprogramm diese Dinge lösen muss. Als Anwender möchte ich ganz einfach von aktuellen technischen Möglichkeiten profitieren und problemlos arbeiten. Aber irgendwie finden Hardware und Software in diesen Tagen nicht so recht zusammen.

Windows 8.1 verbessert die eingebaute Skalierung für die Anzeige von Anwendungsprogrammen bis zu einem gewissen Grad. So ganz funktioniert das offensichtlich immer noch nicht – Software-Entwickler müssen ihre Anwendungsprogramme anpassen, die Schnittstellen (APIs) und Skalierungsmethoden überarbeiten. Das ist noch ein langer Weg. Und wie lange soll ich, der Anwender, warten? Es bestehen Erwartungen in der Entwickler-Community, dass MS Windows 9 das Problem endlich lösen würde – weil dort die Basis gründlich überarbeitet werden soll. Wirklich? Wer gibt mir die Garantie dafür?

Microsoft’s Entscheidung für einen Bildschirm, der im Surface Pro 3 höher auflösend aber noch im (hoffentlich) problemlosen Bereich mit 2160 x 1440 Pixeln arbeitet, scheint eine gute Lösung zu sein. Das menschliche Auge kann ohnehin ab einer gewissen Pixel-Dichte eine weitere Verbesserung nicht mehr auflösen. Also wozu diese QHD-Displays, die meist Probleme verursachen? Wie ich vor ca. 2 Jahren im Detail erfahren habe, gibt es für gut lesbare Bildschirme diverse Dinge zu beachten – da ist die Pixel-Dichte nur ein Thema, und das ist nicht unbedingt erste Priorität. Was für den Anwender zählt ist „Anwendbarkeit“ (englisch: Usability). Sicher stellen, dass die Anzeige lesbar ist, alles gut skaliert, Anwendungsprogramme bequem zu bedienen sind. Andernfalls wird das ganze Gerät schnell nutzlos. Es bleibt abzuwarten, ob MS Windows 8.1 mit dem Surface Pro 3 Bildschirm gut umgehen kann – sollte dies der Fall sein dann könne das neue Surface ein Erfolg werden.

Der Preis macht Bauchschmerzen

MS Surface 3 Pro soll international (26 Länder) ab Ende August 2014 verfügbar sein. Bauchschmerzen macht allerdings das Preisschild: Die Euro-Preise entsprechen grundsätzlich den US-$ Zahlen, d.h. es wird mehr oder weniger das Währungssymbol ausgetauscht. (Straßenpreise könnten ggf. etwas abweichen – was abzuwarten bleibt.)  Damit nimmt Microsoft für Europa-Kunden einen Aufschlag in nicht unbeträchtlicher Höhe. Das ist aus meiner persönlichen Sicht nicht mit Vertriebskosten oder Support zu rechtfertigen. Genau das ist auch der Punkt, der für das MS Surface Pro 3 zur Stolperfalle werden könnte: Es ist vergleichsweise teuer in einer Zeit, in der jeder versucht Kosten zu reduzieren, eine Zeit in der portable Geräte („Tablets“) als Investitionen in einem deutlich eingeschränkten Rahmen erwartet werden.

Das offizielle (U.S./internationale) Präsentations-Video hat Surface 3 Pro mit Apple MacBooks verglichen. Ich sehe es auch als einen Schuss gegen Apple iPad Pro (erwartet in Q4 dieses Jahres). Windows 8.1 Pro auf einem Tablet-ähnlichen Gerät hat natürlich Vorzüge, besonders im Corporate Business: Es kann sich einer MS Windows Domäne anschließen und bietet damit problemlose Integration in die Infrastruktur – sehr viel besser, einfacher als die Apple iOS Systeme. Nebenbei erwähnt, selbst Mac OS X kämpft u.a. noch mit der Suche nach Servern via SMB Protokoll (was ich mit unserem Mac Mini täglich selbst erlebe) – es dauert bis zu 15 Minuten, bis die Server im Netzwerk gefunden werden. Ist das Produktivität? (Trotzdem arbeite ich gerne mit meinem iPad und dem Mac Mini …)

Ja, MS Surface Pro 3 könnte einen großen Unterschied machen – wenn es nicht über den Preis stolpert.

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