Apple Watch App Sammlung

Apple Watch – die ersten 3 Tage

Da ist sie nun angekommen, früher als erwartet: Statt wie geplant Mitte Mai hat UPS das Päckchen am 24. April geliefert. Apple war schnell. Meine Impressionen und Erfahrungen mit der Uhr in den ersten 3 Tagen beschreibe ich hier.

(Die Fotos wurden mit einem iPhone 6 direkt vom Apple Watch Display aufgenommen – Spiegelungen und Farbverschiebungen können dabei möglich sein. Die Qualität des Displays ist besser als dies hier auf den Fotos erscheinen mag.)

Es ist die Apple Watch in Edelstahl mit Lederarmband. Die „Sport“ Edition in Aluminium war mir doch etwas zu einfach und ich meine dass Edelstahl haltbarer ist als ein Gehäuse aus Alu und dass Saphirglas robuster ist als das Ion-X Glas. Auch mit dem Sport-Armband konnte ich mich nicht anfreunden – wird es zu Reaktionen der Haut kommen? Ich weiß es nicht, habe mich aber dann für ein traditionelles Lederarmband entschieden.

Die Apple Watch ist als Ergänzung der iPhone Funktionen zu verstehen. Es macht durchaus Sinn die Leistungsfähigkeit des iPhone zu nutzen und praktisch zu ergänzen statt alles zu duplizieren – auch im Hinblick auf die Akkulaufzeit eine richtige Entscheidung, wie ich meine.

Die Auswahl der 42 mm Display-Version hat sich als richtig erwiesen, die BWatchefürchtung dass die Größe im Gewicht etwas schwer sein könnte hat sich nicht bestätigt. Die Uhr sitzt perfekt am Handgelenk, ich spüre sie eigentlich gar nicht. Die Sensoren an der Rückseite haben guten (nicht spürbaren) Kontakt mit der Haut. So  kann die Uhr erkennen, ob sie abgenommen wurde – dann muss sie mit dem (optionalen, selbst definierten) Sicherheitscode entsperrt werden, und sie kann z.B. mit einem Sensor den Puls messen. Es soll auch ein Sensor vorhanden sein, der den Sauerstoffgehalt des Blutes messen könnte – sehr interessant, aber dieser Sensor ist momentan noch nicht aktiviert. Über die Gründe gibt es nur Spekulationen, nichts Konkretes.

Der Sicherheitscode vermeidet unberechtigten Zugriff Dritter auf die Informationen, sollte beispielsweise die Uhr verloren gehen. Ach ja, das iPhone kann man „anpingen“ – es antwortet dann mit einem lauten Ton. Spielerei? Für mich nicht, wie oft habe ich das iPhone zur Seite gelegt, andere Dinge erledigt – und mich dann gefragt wo es denn wohl geblieben ist …

Die Koppelung der Apple Watch mit dem iPhone verlief problemlos: iOS 8.3 hat eine entsprechende App. Die Uhr muss dann von der iPhone-Kamera optisch erfasst werden und der Koppelungsprozess läuft ab. Detaillierte Einstellungen sind am iPhone in einem Konfigurationsmenü auch später vorhanden. Empfehlenswert ist danach ein Neustart des iPhone. Ich konnte plötzlich vom iPhone aus nicht mehr telefonieren. Ursache unbekannt, aber es muss mit der Uhr-Einrichtung einen Zusammenhang geben. Also: Nicht lange suchen, iPhone neu starten, das wirkt Wunder.

Am Anfang war die Bedienung der Apple Watch etwas gewöhnungsbedürftig: Wohin „wischen“ und „tippen“ für bestimmte Funktionen? Gut gelöst ist das zentrale Auswahlmenü, in das mit der „Digital Crown“ auch ein Zoom (Vergrößerung) in die App-Sammlung möglich ist. Am zweiten Tag war das alles schon Gewohnheit, der Wechsel zwischen den Standardfunktionen (wischen nach unten um aktuelle Mitteillungen noch einmal zu lesen, wischen nach oben für Standardfunktionen wie Akku-Restkapazität, Wetter, Kalender usw.) und die Bedienung machte mir keine Probleme mehr.

Viele Anwendungen sind inzwischen an die Apple Watch angepasst, sowohl in der Funktionalität, der Bedienung (mehr direkte Interaktion) als auch hinsichtlich der Display-Größe. Wichtig ist immer eine Installation in der Uhr bzw. ein Sync mit der Uhr wenn eine neue App verfügbar ist. Dann wird die App auch in der Uhr verfügbar – das kann im Konfigurationsmenü am iPhone übrigens jederzeit pro App abgeschaltet werden.

Watch_Msg_1Positiv überrascht hat mich beispielsweise die Pushover-App: Meine Hausautomation überwacht die Fenster, das Garagentor, Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler. Bei bestimmten Ereignissen – Fenster mehr als 15 Minuten geöffnet, Haushaltsgeräte haben ihre Arbeit beendet – wird eine Push-Nachricht auf das Smartphone geschickt. Und, siehe da, ohne weitere Einstellungen erhielt ich plötzlich auf der Uhr den Hinweis „Trockner beendet, Kosten xx Euro“ (Der Verbrauch wird gemessen und in einen Euro-Wert umgewandelt – das System läuft mit der FHEM-Serversoftware und entsprechenden von mir erstellten Perl-Skripten.) Eine schöne Sache, ich muss nicht mehr das iPhone aus der Tasche kramen sondern werfe einen Blick auf die Apple Watch: Direkte, gezielte Information ohne Umwege, angekündigt mit einem dezenten „Ping“.

Ähnlich positive Erlebnisse hatte ich mit dem „DB Navigator“ der Deutschen Bahn: Einmal die Bahnfahrt ausgewählt, konnte ich an jedem Standort immer die aktuellen Fahrten (Umsteigen, Abfahrt in … Minuten  …) auf der Uhr ablesen. Der Standort wird automatisch (von iPhone) ermittelt, die Uhr zeigt die relevanten Informationen an – schnell und, unkompliziert.

Darin liegt überhaupt der große Nutzen der Apple Watch: Es ist die mehr „direkte“ Kommunikation, ohne große Auswahlmenüs, unmittelbarer Zugriff auf relevante Informationen. Zweifellos eine Herausforderung für Software-Entwickler und UI-Designer. Es ist eben nicht damit getan, eine iPhone App für die Apple Watch umzuschreiben. Eine 1:1 Portierung geht am Ziel vorbei, und damit meine ich nicht nur die Anpassung an die kleinere Display-Kapazität. Nein, hier sind andere Dialogfolgen, eine andere Interaktion notwendig. Eine „one-click / one-tap“ Aktion bring den Erfolg (natürlich dürfen es auch zwei Fingertipps auf die Uhr sein …).

Die WettervWatch_Weatherorhersage gefällt mir ebenfalls sehr gut: Die Darstellung des Tagesverlaufs als Kreis ist besser, übersichtlicher als auf dem iPhone und mit Tippen wechselt man zwischen Wetter, Temperatur und Regenwahrscheinlichkeit.

Bei der „Gesundheits-App“ ist für mich der Hit die Pulsmessung. Ein Sensor in der Uhr erkennt den Herzschlag. Die Aufzeichnung erfolgt dabei offensichtlich nicht nur auf Anforderung, sondern auch im Hintergrund in bestimmten Intervallen. Auch die Erinnerung nach einer Stunde mal wieder aufzustehen, die Information über Bewegung – auch als Grafik mit Zeitverlauf – gefällt mir besser als mein bisheriges Nike-Fuelband (dessen iPhone-App sich leider immer noch zu viele Fehler leistet – seit ein paar Updates hat die Aktualisierung wieder Probleme.) Da erscheint mir die App auf  der Uhr praxisgerechter, bereits in der ersten Version ausgereifter.

Zum Telefonieren gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man ruft die Telefon-App auf, dann gibt es ein kleines mehr klassisches Menü mit Favoriten, Anrufliste, Kontakten und Voice-Mail. Oder ein Druck auf die lange seitliche Taste zum Öffnen der Telefon-Favoriten (die auf dem iPhone in der Uhr-App vordefiniert werden können). Hier kommt wieder der Uhr-typische kreisförmige Auswahlbildschirm zum Tragen: mit der Digitalen Krone kann der Zeiger auf  den gewünschten  Favoriten gesetzt werden, dann sind die Rufnummern für Telefon oder SMS zur Auswahl verfügbar. Das funktioniert trotz des relativ kleinen Uhr-Bildschirms sehr gut.

Das iPhone kann ferngesteuert werden, beispielsweise um Musiktitel abzuspielen. Die Uhr selbst gibt dabei keinen Ton ab – vermutlich um den Akku zu schonen. Vorteilhaft ist es schon, wenn die Steuerung am Handgelenk möglich ist während das iPhone z.B. auf dem Tisch liegt.

Übrigens: Die Apple Watch kommuniziert über Bluetooth und sie soll teilweise WLAN nutzen. Die WLAN-Funktionalität muss ich noch erforschen. Bluetooth ist Standard.

Ich bin von der Qualität bzw. Entfernung der Bluetooth-Verbindung positiv überrascht. Klar, über 3 Stockwerke hinweg durch Betondecken geht nichts mehr, aber sonst hatte ich im Haus immer eine sehr gute Verbindung.

Mit gedrückter „digitaler Krone“ meldet sich Siri. Oder, wenn die Uhr aktiviert wurde, auch mit gesprochenem „Hey Siri“. Befehle bzw. Fragen werden gesprochen gegeben, die Antwort ist immer reiner Text. Sprachausgabe kann Siri (noch?) nicht. Auch hier kann ich nur vermuten, dass die Akkulaufzeit das primäre Ziel war und stromfressende Funktionen zunächst nicht implementiert sind.

Mit der Akkulaufzeit habe ich keine Probleme. Nach nur 3 Tagen sind die Ergebnisse natürlich nicht repräsentativ, aber wenn ich davon ausgehe dass ein neues  „Spielzeug“ am Anfang intensiver als üblich genutzt wird, dann hält die Uhr locker einen Tag bis in die Nacht durch. Nach ca. 14 Stunden Nutzung hatte ich immer noch mindestens 40% Akku-Restkapazität. Aber wie gesagt, das hängt sehr stark von den verwendeten Apps und der Nutzung ab. Möglicherweise wurden Funktionen noch nicht freigeschaltet (Sound z.B. limitiert) um zunächst mit einem guten Akku-Ergebnis zu überzeugen. Über Nacht aufladen ist für mich auch kein Problem. Das Ladekabel sitzt mit dem Magnet sicher auf der Rückseite und lädt per Induktion auf – keine Steckverbindung wie beim iPhone.

Watch_GetUpGerade hat sich die Uhr gemeldet: Eine Stunde wäre um, ich würde zu lange sitzen – Aufstehen und etwas Bewegen wäre angesagt. Die Uhr passt auf dass es mir gut geht. Na sowas.

Ach ja, jetzt meldet sich der Kalender: Ein kurzer Blick auf die Uhr – in 15 Minuten beginnt eine geplante Telekonferenz, an der ich teilnehmen sollte. Wieder ist es die schnelle, direkte, unkomplizierte Information. Ein Blick auf die Uhr ist immer schnell möglich, statt das iPhone rauskramen, aktivieren, wieder wegpacken …

Eine Vielzahl weiterer Funktionen ist standardmäßig vorhanden: Wecker, Stopp-Uhr, SMS, Fernsteuerungen („Remote“), Passbook, und dann diverse Apps von Anbietern. Aufgefallen sind mir Lufthansa, United Airlines, 1Password … um nur einige zu nennen. Es bewegt sich viel in der Developer Community.

Soweit meine ersten persönlichen Eindrücke. Ich habe die Apple Watch als sinnvolle Ergänzung für schnellen, für mich unkomplizierten Zugriff auf Informationen erlebt. Es ist dabei keine Einbahnstraße, sondern einerseits habe ich direkten Zugriff bei Bedarf (Kalender, Wetter, Emails, Aktienkurse, Weltzeituhr …), andererseits meldet sich die Uhr bei mir und macht auf bestimmte Ereignisse aufmerksam.

Sicher gibt es noch vieles zu  entdecken und ich werde weitere Erfahrungen sammeln.

Es wird interessant sein wie sich Anwendungen für die Apple Watch weiter entwickeln, welche innovativen Funktionen entdeckt und realisiert werden. Der Trend geht hin zu kleinen Geräten für bestimmte Zwecke, Geräte die vernetzt sind, miteinander kommunizieren.

Es wird gleichzeitig wichtig sein, dass wir die Kontrolle über diese vernetzte Welt behalten, das unsere Privatsphäre erhalten bleibt und geschützt wird. Diese Geräte sollten definitiv nicht unser Leben beherrschen, und Geschäftemacherei mit unseren persönlichen Daten und Lebensgewohnheiten muss vermieden werden. Letzteres dürfte nicht einfach realisierbar sein.

Es bleibt spannend

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Klaus Albrecht

Über Klaus Albrecht

IT-Analyst, Consultant, Software-Projektmanager, mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der IT-Welt ... Buch-Autor, mehrere Jahre für eine PC-Fachzeitschrift tätig. Hobbies: Foto, Film, Musik (Klassik und Jazz), der Garten und die Küche ;-)

Ein Gedanke zu „Apple Watch – die ersten 3 Tage

  1. Sebastian M

    Vielen Dank. Ein sehr schöner Artikel.
    Läßt sich sehr gut lesen, sodass man wirklich Interesse an der Uhr weckt.

    Für mich stellt sich die Frage, ob ich meine Tür über Homematic öffnen kann.
    Ich benutze die HM-Komponenten mit FHEM und müsste nur einen http-request im lokalen Netzwerk abschicken, da ich, sobald ich vor der Tür stehe, auch schon im lokalen WLAN bin.

    Da ich auch Pushover nutze, gehe ich davon aus, dass Sie ebenfalls eine Heimautomatisierung nutzen.

    Viele Grüße
    Sebastian

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